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GOOD-BYE HOWARD

 

 

Danke, Howard ...

 

Lieber Howard,

 

Kartenam Heiligabend 2002 bekam ich von meiner Frau einen Briefumschlag, auf dem mit ihrer Handschrift die Zeile "Deine Spuren im Sand..." stand. Wie immer in solchen Situationen sollte ich raten, was sich den nun dahinter verbirgt. Da ich Sonne, Sand , Meer und Mallorca liebe, lag es nahe, meine Vermutungen in diese Richtung zu äußern. Vielleicht irgendetwas, was mit Strand, Küste, Meer zu tun haben könnte? Ein Strandhotel oder ein Strandkorb...? Verzeih Howard, auf Deine berühmten Liedzeilen kam ich leider erst viel später..., und des Rätsels Lösung... es waren zwei Konzertkarten für Deine Tournee im  Oktober 2003 in Oberhausen. Ich habe mich über das Geschenk sehr gefreut, obwohl es bis zur Realisation desselben noch zehn Monate dauern sollte.

 

Zu diesem Zeitpunkt wussten weder Du noch ich welche Bedeutung und Berühmtheit die Karten einmal erlangen würden, denn ursprünglich wollte ich doch nur mal den Sänger Howard bzw. Howie (ich weiß, Du magst den Namen nicht so sehr) einmal 'live in concert' sehen. Jenen Künstler, den ich schon mal zuvor auf Promi-Golftournieren als sympathischen Zeitgenossen kennen lernen durfte. An Handicap 4, Howard, kann ich mit meinen 18 nicht kratzen. Jeder Golfer weiß, da liegen Welten dazwischen. Ich mache kein Hehl daraus, dass  Deine Musik während meiner Jugendzeit nicht gerade zu meinen Favoriten gehörte. Mit den Beatles, Stones, Bee Gees etc. hattest Du eine ungleiche Konkurrenz.

 

Dennoch faszinierte mich immer wieder (...oder war es nur pure Eifersucht) Dein südafrikanischer Akzent, der auch so viele Frauenherzen höher schlagen und schmelzen  ließ oder waren es Deine seelenvollen Dackelaugen, die sie in Verzückung brachten. Jedenfalls konnte keiner so schön "Isch liebe Disch" oder "Ti amo" ins Mikro hauchen wie Du und den vielen liebesenttäuschten Mitdreißigern als Seelenanker dienen, und beim Bügeln, so lernte ich, sind Deine Songs zum mitsingen unübertroffen.

 

Aber eigentlich wollte ich ja von meinen Eindrücken bei Deinem zweieinhalbstündigen Abschiedskonzert erzählen. Unter meinen Freunden und Kollegen musste ich mich richtig outen, dass ich zu Deinem Konzert gehe und 55 Euro ausgebe, aber die Begründung war klasse ... Weihnachtsgeschenk! ..., aber von Deinem ansprechenden musikalischen Fernsehfilm "Mein Kapstadt" hab ich Ihnen auch erzählt. Sie zeigten Verständnis.

 

Howard OberhausenAuf Deine Zielgruppe der 25 bis 40jährigen und dass ich wohl der einzige männliche Gast sein würde, hatte ich mich eingestellt, aber ich hatte mich geirrt. Unter den 10000 Zuhörern war der männliche Anteil zwar gering, aber dennoch... und dann ging's endlich los!

 

Der alte Choreographietrick ist Dir wieder mal hervorragend gelungen. Alles starrt zur Bühne, während du dann unter grellem Scheinwerferlicht an einem Seiteneingang auftauchst und zu Triumphmusik wie ein Boxer durch den Zuschauerraum schreitest. Keine tief ins Gesicht gezogene Kapuze, sondern mit schwarzem Jacket, das weiße Hemd salopp über die schwarze Hose tragend, von Bodyguards umringt die Treppe hoch zur Bühne und dann, boom!, ein Glitzerkonfettiregen. In der Tat ein dramatischer Anfang vom Abschied.

 

"Nachts, wenn alles schläft...", das ist der Hit den die holde Weiblichkeit um mich herum von den Sitzen holt und mich gleichzeitig in eine Sinfonie von Düften hüllt. Danach folgt Abschiedslied um Abschiedslied. Neben mir wird unermüdlich ein Transparent geschwenkt. "Tief in unseren Herzen lebt sie weiter - unsere Zeit" steht darauf. Spätestens jetzt musste ich erfahren, Howard, dass ich eigentlich gar keinen Sitzplatz brauchte bzw. dieser nun überflüssig geworden war.

 

Du erinnerst an alte Freundschaften mit Kollegen aus dem Showbusiness und gibst ein paar gecoverte Songs von Peter Maffay ("Du") und Udo Jürgens ("Ich war noch niemals in New York") zum besten. Damit man auch immer wieder an den charmanten Dialekt erinnert wird erzählst Du kleine Anekdoten und machst ein paar Witze über Deinen Kollegen Udo Jürgens. etwa jenen, dass Du Udos neue Freundin auf deren Konfirmation kennen gelernt hast und dass Udo den Titel "Siebzehn Jahr, blondes Haar" zu seiner Lebensphilosophie gemacht hat. Na ja, das waren alles kleine Schenkelklopfer. Den, dass der Udo auch heute noch am Ende eines jeden Konzerts  Schlüpfer und Büstenhalter auf die Bühne geworfen bekommt und diese ein bisschen größer geworden sind, ...nun den hättest Du Dir eigentlich schenken können.

 

SternenhimmelMusikalisch gab es einige Höhepunkte - wie die Duette mit "Knibbel" oder die rockigen Interpretationen von "Alles OK" oder "Ruf mich an", die deutsche Version des britischen Popklassikers "Life is a Rollercoaster" von Ex-Boyzone-Frontman Ronan Keating. Da ging die Post ab und Deine absolut professionelle Band hat das Ganze mit einem exzellenten Groove unterlegt. Hat ich's schon erwähnt? - die Halle stand Kopf!

 

Gut zweieinhalb Stunden hast Du Deinen Oberhausener Fans gegönnt, dann war das Konzert zu Ende. Es endete so furios wie es begann mit dem Funkenregen eines Bühnenfeuerwerks dazu balladesk dahin fließende Klänge und melancholische Zeilen "Isch bereu nicht", "jedes Kapitel mit Dir war ein Geschenk" und "So was wie Disch wird's nie wieder geben". Von einem Sternenhimmel umgeben gibst Du noch eine Zugabe und bald hätte ich es vergessen von Deinen Fans gibt's zum Dank Blumen und Stofftiere - dann bleiben nur noch "Deine Spuren im Sand".

 

Ziehe ich mein persönliche Resümee dann kann ich von diesem Abend behaupten: ich habe keinen Schlagerfuzzi gesehen, sondern einen anspruchsvollen Interpreten rockiger Popsongs, die hierzulande ihresgleichen suchen und im internationalen Spektrum höchstens mit Neil Diamond, Elton John oder Chris Rea vergleichbar sind, und ich habe einen Künstler gesehen, dessen Verfallsdatum nicht wie die der Küblböcks und wie sie alle heißen mögen nach einem Jahr abgelaufen war, sondern einen Profi mit niedlichem Akzent und Golfschlägern im Gepäck, der im richtigen Moment aufhören will und dies wohl auch schaffen wird...

 

Dankeschön, Howard!

 

Herzlichst

 

Dein Fan Ulli

 

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