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Tournee 2003
Anfang in Siegen |
Ende in Köln
Tränen und Teddys: Howard
Carpendales letztes Konzert
Es war ein Abschied mit Tränen. Das letzte
Konzert seiner Karriere wurde für Howard Carpendale und seine Fans in der
KölnArena zur gegenseitigen Liebeserklärung. "Ich umarme euch alle!", rief
der 57-Jährige seinen Fans in der mit 16 000 Plätzen restlos ausverkauften
Halle am Samstagabend zu. Teddys, rote Plüschherzen und Blumen flogen auf
die Bühne.
"Howard, bitte geh nicht!" oder "Howie, ich
liebe dich!", war auf herzförmigen Plakaten der Verehrerinnen zu lesen. Ein
bewegter Carpendale sagte zum Ende des rund zweieinhalbstündigen Auftritts:
"Das schönste Konzert in meinem Leben war mein allerletztes."
Unter Jubel sang der Frauenschwarm seine
größten Erfolge aus seiner 37-jährigen Karriere wie "Hello again", "Nachts,
wenn alles schläft" oder "Ti amo". Die Fans sangen mit, tanzten auf oder
neben den Stühlen und verwandelten den Saal mit Wunderkerzen in ein
Lichtermeer. Schon bei den ersten gehauchten Worten Carpendales - "Es ist
spät, Du musst gehen" - tobte der Saal. Unter den Fans waren auch zahlreiche
Prominente wie Dieter Thomas Heck und TV-Moderatorin Bettina Böttinger sowie
die Familie des Stars.
Carpendale,
der seinen Bühnenabschied im April bekannt gegeben hatte, war bereits seit
Oktober mit seiner Tour "Der richtige Moment" auf Reise quer durch
Deutschland. Köln wählte Carpendale bewusst als seine letzte Station aus:
"Vor 37 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Köln gekommen", erklärte der
Entertainer. "Als ich hier reingekommen bin, habe ich etwas gefühlt wie
Liebe." Damals hatte der aus Südafrika stammende Sänger seinen späteren
Manager Dieter Weidenfeld in Köln kennen gelernt, der ihm zu seinem ersten
Plattenvertrag verholfen hatte. "Ich möchte von ganzem Herzen Danke sagen,
dass ich ein Teil eures Lebens sein durfte."
Doch bei dem Konzert wurde nicht nur Abschied
genommen und geschluchzt. Im schwarzen Anzug und mit offenem Hemd gab
Carpendale auf der Bühne noch mal richtig Gas. In einem temporeichen
Programm sang er "Alice" oder "Alles okay", ebenso wie "Lust auf mehr" oder
Erfolge wie "Dann geh doch". Zwischendurch gab es Scherzchen, auch
Seitenhiebe auf Dieter Bohlen oder Udo Jürgens. Dessen Hit "Ich war noch
niemals in New York" gab Carpendale aber dann doch aus "großem Respekt" vor
dem Kollege am Ende zum Besten. Zwischendurch versicherte der 57-Jährige
seinen Fans vorsorglich: "Sie können ganz besorgt sein, ich habe alles im
Griff."
Die Sicherheitskräfte hatten alle Hände voll zu
tun, die weiblichen Fans von der Bühne fern zu halten. Als diese dann aber
mit Blumen und Herz-Luftballons bewaffnet schließlich nach der Pause die
Sicherheitsleute überrannten, um ganz nah bei ihrem Howie zu sein, reagierte
der amüsiert: "Das war ein bisschen früh!" Ganz vorne dabei war auch Susanne
Rosenthal (35), die mit ihren Freundinnen lauthals mitsang. "Wir waren schon
auf neun Konzerten bei der Abschiedstour dabei."
"Unglaublich",
"ihr seid riesig!", sagte Carpendale immer wieder. "Ich möchte mich wirklich
bedanken, dass so viele hergekommen sind, um Tschüss zu sagen." Sogar seine
91-jährige Mutter war aus dem südafrikanischen Durban angereist. "I love you,
Mom", bedankte sich der Sohn. Auch seine Frau Claudia, die von ihm getrennt
lebt, und seine beiden Söhne waren im Publikum. Als Carpendale zum Ende des
Konzerts noch eine Oscar-Nachbildung aus der Zuschauermenge bekam und der
Applaus und die Rufe nach Zugaben nicht enden wollten, liefen dem
57-Jährigen dann doch ein paar Tränen übers Gesicht.
Dann fiel der Vorhang endgültig. Doch viele
Fans schienen das noch nicht zu begreifen und blieben lange an ihren Plätzen
stehen. Sandra Allgeier (29), die extra vom Bodensee nach Köln angereist
war, meinte fassungslos: "Das kann nicht wahr sein, das jetzt wirklich
Schluss ist." Für sie und ihre Freundin Dagmar blieb - wie für viele Fans -
nur die Hoffnung: "Das wird er uns nicht wirklich antun - er muss wieder
kommen."
Neue Westfälische 14.12.2003
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